Ernst von Feuchtersleben (1806 bis 1849)



Erinnerung

Der Morgen weht mit zarten Lüften,
Und spielt mit Gras und Blatt und Blüt',
Und haucht aus tausend süßen Düften
Erinnerung in mein Gemüt.

Wie bald verweht des Lebens Morgen!
Kein Frühling macht uns wieder jung.
Was bleibt uns zwischen Pein und Sorgen
Als du - als du, Erinnerung?

Momente kommen gut und herzlich,
Und man vergißt das schlimme Jahr,
Ach, man gedenkt entzückend-schmerzlich
Der Stunden, die man glücklich war.

Das Leben ist ein Kranz von Blüten,
Tief zwischen Dornen eingewebt,
Nur die erringen, die sich mühten,
Nur wer geweint hat, hat gelebt.


Nach altdeutscher Weise

Es ist bestimmt in Gottes Rat,
Daß man, was man am liebsten hat,
Muß meiden;
Wiewohl nichts in dem Lauf der Welt
Dem Herzen ach! so sauer fällt,
Als Scheiden, ja Scheiden!
So dir geschenkt ein Knösplein was,
So tu' es in ein Wasserglas;
Doch wisse: Blüht morgen dir ein Röslein auf,
Es welkt wohl noch die Nacht darauf;
Das wisse, ja wisse!
Und hat dir Gott ein Lieb beschert,
Und hältst du sie recht innig wert,
Die Deine, -
Es werden wohl acht Bretter sein,
Da legst du sie wie bald! hinein;
Dann weine, ja weine!
Nur mußt du mich auch recht verstehn,
Ja recht verstehn!
Wenn Menschen auseinander gehn,
So sagen sie: auf Wiedersehn!
Ja Wiedersehn!


Willst du eignen Schmerz zu tragen

Willst du eignen Schmerz zu tragen
Dir den Busen kräftigen,
Lerne mit der Menschheit Fragen
Edel dich beschäftigen.
Wie die Seele sich erweitert,
Wird dein Leben auch erheitert.