Max von Schenkendorf (1783 bis 1817)



Andreas Hofer

Als der Sandwirt von Passeier
Innsbruck hat mit Sturm genommen,
Die Studenten ihm zur Feier
Mit den Geigen mittags kommen,
Laufen alle aus der Lehre,
Ihm ein Hochvivat zu bringen,
Wollen ihm zu seiner Ehre
Seine Heldentaten singen.

Doch der Held gebietet Stille,
Spricht dann ernst: Legt hin die Geigen!
Ernst ist Gottes Kriegeswille,
Wir sind all' dem Tode eigen.
Ich ließ nicht um lust'ge Spiele
Weib und Kind in Tränen liegen;
Weil ich nach dem Himmel ziele,
Kann ich ird'sche Feind' besiegen.

Kniet bei euren Rosenkränzen,
Dies sind meine froh'sten Geigen;
Wenn die Augen betend glänzen,
Wird sich Gott der Herr drin zeigen.
Betet leise für mich Armen,
Betet laut für unsern Kaiser,
Dies ist mir das liebste Karmen:
Gott schütz' edle Fürstenhäuser!

Ich hab keine Zeit zum Beten,
Sagt dem Herrn der Welt, wie's stehe,
Wie viel Leichen wir hier sä'ten
In dem Tal und auf der Höhe,
Wie wir hungern, wie wir wachen,
Und wie viele brave Schützen
Nicht mehr schießen, nicht mehr lachen.
Gott allein kann uns beschützen!


Kinderträume

Der Himmel offenbart sich nur in Träumen,
So langwir noch im Erdentale wallen,
Entfesselt schweben wir durch Wolkenhallen
Und brechen Blüten von den Lebensbäumen.

Hörst du das Kind entzückt im Träume lallen?
Sein Geist ergeht sich in den ew'gen Räumen;
Kannst du noch töricht zu entschlummern säumen,
Ein gleiches Los ist auch für dich gefallen.

Nur Kindern steht das Tor des Himmels offen,
Um sie nur spielt ein unbegrenztes Hoffen,
Sie fühlen nicht die schwere Erdenkette,
Und brauchen keinen Heiland, der sie rette.
Geliebte, laß uns werden so wie diese,
Um Kinder blühen Unschuldsparadiese.