Gustav Schwab (1792 bis 1850)



Das Mahl zu Heidelberg

Von Württemberg und Baden
Die Herren zogen aus,
Von Metz des Bischofs Gnaden
Vergaß das Gotteshaus;
Sie zogen aus zu kriegen
Wohl in die Pfalz am Rhein,
Sie sahen da sie liegen
Im Sommersonnenschein.

Umsonst die Rebenblüte
Sie tränkt mit mildem Duft,
Umsonst des Himmels Güte
Aus Ährenfeldern ruft:
Sie brannten Hof und Scheuer,
Daß heulte Groß und Klein;
Da leuchtete vom Feuer
Der Neckar und der Rhein.

Mit Gram von seinem Schlosse
Sieht es der Pfälzer Fritz,
Heißt springen auf die Rosse
Zwei Mann auf einem Sitz.
Mit enggedrängtem Volke
Sprengt er durch Feld und Wald,
Doch ward die kleine Wolke
Zum Wetterhimmel bald.

Sie wollen seiner spotten,
Da sind sie schon umringt,
Und über ihre Rotten
Sein Schwert der Sieger schwingt.
Vom Hügel sieht man prangen
Das Heidelberger Schloß,
Dorthin führt er gefangen
Die Fürsten samt dem Troß.

Zu hinterst an der Mauer,
Da ragt ein Turm so fest,
Das ist ein Sitz der Trauer,
Der Schlang' und Eule Nest;
Dort sollen sie ihm büßen
Im Kerker, trüb' und kalt;
Es gähnt zu ihren Füßen
Ein Schlund und finst'rer Wald.

Hier lernt vom Grimme rasten
Der Württemberger Utz,
Der Bischof hält ein Fasten,
Der Markgraf läßt vom Trutz.
Sie mochten schon in Sorgen
Um Leib und Seele sein,
Da trat am andern Morgen
Der stolze Pfälzer ein.

"Herauf, ihr Herrn, gestiegen
In meinen hellen Saal!
Ihr sollt nicht fürder liegen
In Finsternis und Qual.
Ein Mahl ist euch gerüstet,
Die Tafel ist gedeckt;
Drum, wenn es euch gelüstet,
Versucht, ob es euch schmeckt!"

Sie lauschten mit Gefallen,
Wie er so lächelnd spricht,
Sie wandeln durch die Hallen
An's gold'ne Tageslicht.
Und in dem Saale winket
Ein herrliches Gelag,
Es dampfet und es blinket,
Was nur das Land vermag.

Es setzten sich die Fürsten;
Da mocht' es seltsam sein:
Sie hungern und sie dürsten
Beim Braten und beim Wein.
"Nun, will's euch nicht behagen?
Es fehlt doch, deucht mir, nichts.
Worüber ist zu klagen?
An was, ihr Herrn, gebricht's?

Es schickt zu meinem Tische
Der Odenwald das Schwein,
Der Neckar seine Fische,
Den frommen Trank der Rhein.
Ihr habt ja sonst erfahren,
Was meine Pfalz beschert,
Was wollt ihr heute sparen,
Wo keiner es euch wehrt?"

Die Fürsten sahn verlegen
Den andern jeder an,
Am Ende doch verwegen
Der Ulrich da begann:
"Herr, fürstlich ist dein Bissen,
Doch eines tut ihm Not,
Das mag kein Knecht vermissen:
Wo ließest du das Brot?"

"Wo ich das Brot gelassen?"
Sprach da der Pfälzer Fritz,
Er traf, die bei ihm saßen,
Mit seiner Augen Blitz;
Er tat die Fensterpforten
Weit auf im hohen Saal,
Da sah man aller Orten
In's off'ne Neckartal.

Sie sprangen von den Stühlen
Und blickten in das Land:
Da rauchten alle Mühlen
Rings von des Krieges Brand;
Kein Hof ist da zu schauen,
Wo nicht die Scheune dampft,
Von Rosses Huf und Klauen
Ist alles Feld zerstampft.

"Nun sprecht, von wessen Schulden
Ist so mein Mahl bestellt?
Ihr mußt euch wohl gedulden,
Bis ihr besä't mein Feld,
Bis in des Sommers Schwüle
Mir reifet eure Saat,
Und bis mir in der Mühle
Sich wieder dreht ein Rad.

Ihr seht, der Westwind fächelt
In Stoppeln und Gesträuch;
Ihr seht, die Sonne lächelt,
Sie wartet nur auf euch.
Drum sendet flugs die Schlüssel
Und öffnet euren Schatz,
So findet bei der Schüssel
Das Brot den rechten Platz!"


Der Fleischer von Konstanz

Wohl wehrt sich die alte, die neue Stadt,
Den herrlichen römischen Namen sie hat,
Und römischen Mut
Und deutsches Blut
Und Christenglauben,
Den soll ihr der spanische Henker nicht rauben!

Drum kämpfen die Bürger vom Turm und am Tor
Und dringen zur hallenden Brücke hervor,
Es hört es der Rhein,
Da rauschet er drein,
Es rufet die Söhne
Der See mit der tosenden Wellen Getöne.

Wer streitet am kühnsten für Ehr' und für Heil?
Das ist der Fleischer mit hauendem Beil.
Sonst schlägt er den Stier,
Das brüllende Tier,
Heut muß er sie schlachten,
Die ihm nach der Metzig, der blutigen, trachten.

Er steht auf der Brücke zuvordererst im Schwarm,
Den Ärmel gestülpet, mit nervigem Arm,
Und jeder Streich
Schlägt einen bleich,
Da kommen die andern:
Zur Schlachtbank läßt er sie spöttlich wandern.

O weh ihr Brüder! Verlasset ihr ihn?
Es doppelt das spanische Heer sich, sie fliehn,
Sie rufen ihn mit:
Doch keinen Schritt
Weicht er von der Stelle,
Alle Feinde bekämpft der kühne Geselle.

Vorn einer und hinten da nahet ein Paar,
Die wildesten Knechte der stürmenden Schar,
Sie packen in Eil'
Des Fleischers Beil -
Es ist verloren;
Da denkt er: Es soll sie nicht frommen, die Thoren!

Zwei Arme ja hat er, die fassen die Zwei:
Und wollt ihr ein Leben, so opfr' ich euch drei!
Er hält sie umspannt,
Er drängt sie zum Rand,
Er sendet die Blicke
Hinab zu dem schäumenden Rhein von der Brücke.

Und schnell an's Geländer, eh' andere nah'n,
Drückt er sie, die Ringenden, kräftiglich an;
Mit ihnen hinein
Kopfüber zum Rhein
Mit frohem Schwunge
Sieht man ihn stürzen im tödlichen Sprunge.

Die klagenden Feinde verschlinget die Flut;
Lang' wiegt sie, lang' trägt sie den Bürger gut,
Jetzt zeigt sie den Fuß,
Den Arm, wie zum Gruß,
Die Schultern, die blanken,
Das lockige Haupt und den Nacken, den schlanken.

Da sucht ihn das fremde Geschoß, doch der Rhein
Hüllt fromm in den Mantel, den grünen, ihn ein.
Er zieht ihn hinab
In's festliche Grab,
Dort ruht er geborgen
Vor feindlicher Schmach. Bis zum ewigen Morgen.

Dort schläft ohne Traum er den süßesten Schlaf,
Er weiß nicht das Los, das die Heimat traf.
Man trügt, man raubt
Ob seinem Haupt
Freiheit und Glauben;
Die Märtyrerkrone wird keiner ihm rauben.


Der Gefangene

Vor dem getürmten, grauen Schloß
Steht brüllend ein gemeiner Troß:
"Ihr tapfern Brüder, stürmet an!
Es gilt dem armen gefangenen Mann!

Es gilt dem armen gefangenen Mann!
Wir helfen ihm aus Fessel und Bann!"
Keck schwingen sie sich über den Wall,
Sie bringen Tor und Wache zu Fall.

Sie dringen klirrend in den Hof,
Sie metzeln, daß er vom Blute troff,
Sie werfen den Feuerbrand in's Haus,
Sie treiben den alten Ritter aus.

Sie hau'n zusammen Herrn und Gesind,
Sie brechen in Scheun' und Keller geschwind,
Sie halten über den Fässern Schmaus
Und trinken sie wie Becher aus.

Sie legen sich über den Herrentisch
Sie schmausen Braten ab und Fisch;
Die Flamme schlägt ringsum empor;
Sie legen trunken sich auf's Ohr.

Und als der Brand das Schloß verzehrt
Und als sie Küch' und Faß geleert,
Da mit der Neige stoßen sie an:
"Es gilt dem armen gefangenen Mann!

Wo ist der arme gefangene Mann,
Daß er mit uns sich freuen kann?"
Sie kriechen aus Schutt und Staub herfür;
Sie taumeln zu der Kerkertür.

"Du armer gefangener Mann, hervor!
Wir sprengen dir dein Eisentor!"
So stießen sie die Türe ein
Und ließen hinab den Sonnenschein.

Was ist es, das sie dort erblickt?
Der arme Mann, der ist erstickt.
Er liegt zu Boden in Qualm und Rauch,
Es leckt an ihm der Flamme Hauch.

Da eilten sie, davon zu ziehn;
Sie ließen liegen und modern ihn.
Es schrie'n die satten, trunkenen Knecht':
"Wir haben den armen Mann gerächt!"


Der Reiter und der Bodensee

Der Reiter reitet durch's helle Tal,
Auf's Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.
Er trabet im Schweiß durch den kalten Schnee,
Er will noch heut an den Bodensee;
Noch heut mit dem Pferd in den sichern Kahn,
Will drüben landen vor Nacht noch an.
Auf schlimmem Weg über Dorn und Stein
Er braust auf rüstigem Roß feldein.
Aus den Bergen heraus in's ebene Land,
Da sieht er den Schnee sich dehnen wie Sand.
Weit hinter ihm schwinden Dorf und Stadt,
Der Weg wird eben, die Bahn wird glatt.
In weiter Fläche kein Bühl, kein Haus,
Die Bäume gingen, die Felsen aus.
So fliegt er hin, eine Meil' und zwei,
Er hört in den Lüften der Schneegans Schrei;
Es flattert das Wasserhuhn empor,
Nicht andern Laut vernimmt sein Ohr;
Keinen Wandersmann sein Auge schaut,
Der ihm den rechten Weg vertraut.
Fort geht's, wie auf Samt, auf dem weichen Schnee.
Wann rauscht das Wasser? Wann glänzt der See?
Da bricht der Abend, der frühe, herein:
Von Lichtern blinket ein ferner Schein.
Es hebt aus dem Nebel sich Baum an Baum,
Und Hügel schließen den weiten Raum.
Er spürt auf dem Boden Stein und Dorn,
Dem Rosse gibt er den scharfen Sporn.
Und Hunde bellen empor am Pferd
Und es winkt ihm im Dorf der warme Herd.
"Willkommen am Fenster, o Mägdelein!
An den See, an den See, wie weit mag's sein?"
Die Maid, sie staunet den Reiter an:
"Der See liegt hinter dir und der Kahn,
Und deckt' ihn die Rinde von Eis nicht zu,
Ich spräch', aus dem Nachen stiegest du."
Der Fremde schaudert, er atmet schwer:
"Dort hinten die Eb'ne, die ritt ich her!"
Da recket die Magd die Arm' in die Höh':
"Herr Gott, so rittest du über den See!
An den Schlund, an die Tiefe bodenlos
Hat gepocht des rasenden Hufes Stoß!
Und unten dir zürnten die Wasser nicht?
Nicht krachte hinunter die Rinde dicht?
Und du wardst nicht die Speise der stummen Brut,
Der hungrige Hecht' in der kalten Flut?"
Sie rufet das Dorf herbei zu der Mähr',
Es stellen die Knaben sich um ihn her;
Die Mütter, die Greise, sie sammeln sich:
"Glückseliger Mann, ja segne du dich!
Herein zum Ofen, zum dampfenden Tisch,
Brech mit und das Brot und iß vom Fisch!"
Der Reiter erstarret auf seinem Pferd,
Er hat nur das erste Wort gehört.
Es stocket sein Herz, es sträubt sich sein Haar,
Dicht hinter ihm grinst noch die grause Gefahr.
Es siehet sein Blick nur den schwarzen Grund.
Im Ohr ihm donnerts wie krachend Eis,
Wie die Well' umrieselt ihn kalter Schweiß.
Da seufzt er, da sinkt er vom Roß herab,
Da ward ihm am Ufer ein trockenes Grab.


Johannes Kant

Den kategorischen Imperativus fand,
Das weiß ein jedes Kind, Immanuel Kant.
Dem kategorischen Imperativus treu,
Zwang durch ihn wilde Seelen zu frommer Scheu
Lang' vor Immanuel Herr Johannes Kant,
Und wenige wissen's, wie die Sache bewandt.

Derselb' ein Doktor Theologie war.
In schwarzer Kutte, mit langem Bart und Haar,
So saß er in Krakau auf dem Lehrersitz,
So ging er einher gegürtet, in Kält' und Hitz',
Ein rein Gemüt, ein immer gleicher Sinn,
Dem Unrecht dulden, nicht tun, stets däuchte Gewinn.
Im grauen Alter zog ein Sehnen den Kant
Gen Schlesien, in sein altes Vaterland.
Er schloß die Bücher in'n Schrein, bestellt' sein Haus,
Den Seckel nahm er und zog in die Fern' hinaus.
Gemächlich ritt in der schweren, schwarzen Tracht
Der Doktor durch der polnischen Wälder Nacht,
Doch in der Seele, da wohnt' ihm lichter Schein,
Die gold'nen Sprüche zogen aus und ein,
In's Herz schoß Strahlen ihm das göttliche Wort,
Voll innern Sonnenlichtes, so ritt er fort.
Auch merkt er nicht, wie das Tier in finst'rer Schlucht
Den Weg durch Abenddunkel und Dickicht sucht,
Er hört nicht vor und hinten sich Tritt und Trott,
Er ist noch immer allein mit seinem Gott.
Da wimmel's plötzlich um ihn zu Roß, zu Fuß,
Da flucht in's Ohr ihm der Wegelagerer Gruß;
Es stürmen auf den heiligen Mann sie ein,
Es blinken Messer und Schwert im Mondenschein.
Er weiß nicht, wie ihm geschieht, er steigt vom Roß,
Und eh' sie's fordern, teilt er sein Gut dem Troß.
Den vollen Reisebeutel streckt er dar,
Darin bei'm Groschen manch' blanker Taler war,
Vom Halse löst er ab die güldene Kett',
Er reißt die schmucken Borden vom Barett,
Den Ring vom Finger und aus der Tasche zieht
Das Meßbuch er mit Silberbeschläg' und Niet';
Daß sie das Pferd abführen mit Sattel und Zaum,
Der arm' erschrock'ne Mann, er sieht er kaum;
Erst, wie er alles Schmuckes und Gutes bar,
Da fleht er um sein Leben zu der Schar.
Der bärtige Hauptmann faßt ihn an der Brust
Und schüttelt ihn mit derber Räuberlust.

"Gabst du auch alles?" brüllt's um ihn und murrt,
"Tägst nichts versteckt in Stiefel oder Gurt?"
Die Todesangst schwört aus dem Doktor: "Nein!"
Und aber "Nein!" Es zittert ihm Fleisch und Bein.
Da stoßen sie ihn fort in den schwarzen Wald;
Er eilt, als wär' er zu Roß noch, ohne Halt;
Doch fährt die Hand im Geh'n ihm wie im Traum
Hinab an der langen Kutte vorderm Saum,
Mit Angst fühlt sie herum an allem Wulst,
Und endlich findet sie da die rechte Schwulst,
Wo eingenäht, geborgen und unentdeckt,
Der güldene Sparpfennig sich versteckt.

Nun will dem Mann er werden so sanft und leicht:
Mit all' dem Gold er die Heimat wohl erreicht,
Er mag mit Gottes Hilfe vom Schrecken ruhn,
Mit Freunden und Vettern sich recht gütlich tun.-

Da stand er plötzlich still, denn in ihm rief
Mit lauter Stimme der heilige Imp'rativ:
"Lüg' nicht! Lüg' nicht! Du hast gelogen, Kant!"
Das einzige Wort ihm auf der Seele brannt',
Vergessen ward der Heimat fröhlicher Lust,
Er war allein der Lüge sich bewußt.

Und schneller, als ihn getrieben der Freiheit Glück,
Trieb ihn der Sünde Pein nun zurück, zurück.
Schon winkt von ferne der unglücksel'ge Platz,
Die Räuber teilen dort noch immer den Schatz;
Am Mondlicht prüfen sie sich das Allerlei,
Die Pferde weiden zwischen den Büschen frei.

Und wie sie lagern im Gras und tauschen, tritt
In ihre Mitte der Kant mit hastigem Schritt.
Er stellt demütig sich vor die Räuber hin
Und spricht: "O wisset, daß ich ein Lügner bin!
Doch log der Schrecken aus mir, darum verzeiht!"
Mit diesen Worten riß er den Saum vom Kleid,
In hohler Hand bot er ein Häuflein Gold,
Darüber des Mondscheins blinkende Welle rollt;
Weil keiner zugreift, bittet er ganz beschämt:
"Das hab' ich böslich vor euch verleugnet, nehmt!"

Den Räubern aber wird's wunderlich im Kopf;
Sie möchten lachen und spotten ob dem Tropf,
Und ihre Lippen findet doch keinen Laut,
Und ihr vertrocknetes, starres Auge taut.
Und in dem bleiernen Schlummer, den er schlief,
Regt sich in ihnen plötzlich der Imp'rativ,
Der wunderbare, das heil'ge Gebot: "Du sollst -
Du sollst nicht stehlen!" - Und vor der Hand voll Gold
Aufspringen sie, dann werfen sich all' auf's Knie,
Ein tiefes Schweigen waltet; denn Gott ist hie.

Jetzt aber regt sich emsig die ganze Schar:
Der reicht den Beutel und der die Kette dar,
Ein dritter bringt das Pferd gesattelt, gerüst't,
Das Me?buch reicht der Hauptmann - er hat's geküßt.
Dann helfen sie ihm zu Roß mit willigem Dienst,
Nichts bleibt zurück von dem neuen Räubergewinnst,
Ja, mußte Herr Kant nur sein auf seiner Hut,
Daß sie ihm nicht auch schenken gestohlen Gut.

Er scheidet, er teilt den Segen aus vom Pferd,
Wünscht ihnen gründliche Reu', die sich bekehrt.
Nur dacht' er traurig, als um die Eck' er bog:
"Ihr armen Schelmen, ihr stehlet - und ich log:
Doch als er kam zum finstern Wald hinaus,
Da war verschwunden der Sünde ganzer Graus.
Da stand der Morgenhimmel in rother Glut,
Da ward dem frommen Wanderer froh zu Mut.
"Dein Wille gescheh' im Himmel und auf Erd'!"
So betet der Kant und gibt die Sporen dem Pferd.


Kaiser Heinrichs Waffenweihe

Der junge König Heinrich schlief
Zu Goslar in der Kammer tief,
Verschlossen waren alle Türen,
Es durfte sich kein Leben rühren,
Kein Hall den langen Gang durchlief,
Der junge König Heinrich schlief.

Doch wenn der Herr im Himmel spricht,
Hilft ein Gebot zum Schweigen nicht:
Die Winde durch die Hallen pfeifen,
Die Tropfen an das Fenster streifen,
In manchem rauhen Donnerschlag
Entlastet sich der heiße Tag.

Die Diener schleiche auf den Zeh'n,
Sie wagen nicht herein zu seh'n:
Will Er das Wetter überhören -
Nicht wollen sie den König stören;
Bis das ein Knall das Haus durchdringt,
Und mit Geklirr die Kammer klingt.

Da flieget bei des Herrn Gefahr
Herbei der bleiche Knechte Schar.
Man hört nicht mehr den Regen fallen,
Man hört nicht mehr den Donner hallen,
Man höret nur der Füße Tritt
Und schwerer Männer Eisenschritt.

Sie öffnen scheu das Flügeltor -
Verschlossen ist des Königs Ohr;
Sein Auge schläft noch schlummertrunken,
Und wie es auf den Pfühl gesunken,
So liegt sein junges Haupt in Ruh',
Die gelben Locken decken's zu.

Doch über'm Bette Schwert und Schild -
Sie hängen, der Zerstörung Bild,
Der Stahl geschmelzt, wie in der Esse,
Der Schild zerdrückt, wie von der Presse:
Durch Leder und durch Eisen fuhr
Der Blitz und ließ die heiße Spur.

Die Diener starren; jetzt erwacht
Ihr König aus des Schlafes Nacht,
Es fliegt sein Blick nach seinen Waffen
Und sieht sie staunend umgeschaffen;
Gar bald errät er, was geschah,
Spricht: "Großer Meister, warst du da?

Mir däucht', ich hörte doch dein Lied,
Ich hörte hämmern dich, o Schmied,
Sah deine Loh' das Leder gerben,
Sah deine Glut das Eisen färben,
Zu stehen meint' in kühnen Traum
Ich hoch in deiner Werkstatt Raum."

Der König von dem Lager sprang,
Bald in der Hand den Hammer schwang,
Er läßt ihn auf dem Schwerte klingen,
Will selbst, was Gott begann, vollbringen,
Das Eisen, warm noch, schmiedet er
Und stellt den Schild aus Falten her.

Und auf der langen Herrscherbahn
Hat er manch Kleid sich umgetan,
Mit mancher Brünne, schön gedrechselt,
Mit manchem Helm hat er gewechselt,
Doch Schild und Schwert vertauscht' er nie,
Die Gott im Wetter ihm verlieh.

Es fuhr der Blitz aus seinem Stahl
Im Streite zweiundsechzigmal,
In zweiundsechzig Kämpfen deckte
Der Schild ihn, der vom Strahl beleckte;
Stets flammte Schwert und Schild wie neu,
Stets blieb ihm Schwert und Schild getreu.

Der Donner war sein Ritterschlag;
Und als im Sarg er endlich lag,
Da schien die Kron' auf seiner Bahre
Verbleicht, wie seine greisen Haare;
Doch sonnig glänzte Schwert und Schild,
Der Königsjugend strahlend Bild.